20.04.2017

IHK warnt vor „Frexit“

Sorge um EU-Binnenmarkt vor Wahlen in Frankreich
Am Sonntag (23. April) finden in Frankreich die Präsidentschaftswahlen statt. Als mögliche Folge könnte Deutschlands größtes Nachbarland analog zu Großbritannien ebenfalls einen Ausstieg aus der Europäischen Union anstreben, so wie es im französischen Wahlkampf mitunter in Aussicht gestellt worden ist. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt warnt vor den Folgen und hebt die Vorteile eines EU-Binnenmarktes hervor.
„Angesichts des Austrittsgesuchs Großbritanniens muss der weiteren Stärkung des europäischen Binnenmarktes besonderes Augenmerk gelten“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Gerald Grusser. „Der grenzenlose, freie Verkehr von Waren und Dienstleistungen in der EU ist 60 Jahre nach ihrer Gründung zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Auch viele Thüringer Unternehmen profitieren davon: Der Anteil aller Ausfuhren aus dem Freistaat in die EU-Mitgliedsländer betrug im vergangenen Jahr mit rund 9,3 Milliarden Euro fast 65 Prozent“, bilanziert der IHK-Chef.
Frankreich sei 2016 mit einem Volumen von 964 Millionen Euro der dritt-wichtigste Exportmarkt für einheimische Firmen gewesen. Exportiert würden vor allem Fahrgestelle, Karosserien, Kfz-Motoren und Waren aus Kunststoffen sowie mess-, steuerungs- und regelungstechnische Erzeugnisse. Im gleichen Zeitraum hätten die Importe aus Frankreich ein Volumen von 506 Millionen Euro umfasst, womit das Land innerhalb der Top Ten der Einfuhrländer liege. Ein möglicher Austritt der Grande Nation aus der EU setze diese außenwirtschaftliche Erfolgsgeschichte aufs Spiel.
„Ein Verlassen des Binnenmarktes würde beispielsweise neue, erschwerte Grenzformalitäten beim Im- und Export mit sich bringen, zu Schwierigkeiten bei Investitionen, Problemen bei grenzüberschreitendem Dienstleistungsverkehr und bei der Beschäftigung von Fachpersonal führen – ganz zu schweigen vom erhöhten bürokratischen Aufwand beim Umgang mit französischen Geschäftspartnern“, gibt Grusser zu bedenken.