13.04.2017

Fünf Jahre Freihandelsabkommen EU-Korea

IHK Erfurt zieht positive Bilanz
Als „Partnerschaft für die Zukunft“ sieht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt das Freihandelsabkommen, das seit 2011 die Europäische Union und Südkorea verbindet. Die Abschaffung fast aller Einfuhrzölle, ausgewählte Marktöffnungen und Innovationsschutzregelungen haben den Wirtschaftsbeziehungen Schub verliehen. Gleichwohl bedarf es aus Sicht des hiesigen Mittelstandes einiger Verbesserungen gerade beim Abbau bürokratischer Hemmnisse.
„Mit dem EU-Korea-Freihandelsabkommen wurden Einfuhrzölle auf nahezu alle Waren abgeschafft. Marktöffnungen im Dienstleistungshandel, bei Investitionen und im öffentlichen Beschaffungswesen sowie Bestimmungen zum Schutz geistigen Eigentums verschafften auch Thüringer Unternehmen zahlreiche Vorteile“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Gerald Grusser. „Für die Thüringer Betriebe ist Korea nach China und Japan zum drittwichtigsten Absatzmarkt in Asien aufgestiegen. Das Handelsvolumen des Freistaats betrug im vergangenen Jahr insgesamt rund 215 Millionen Euro, darunter Warenexporte in Höhe von 146 Millionen Euro. Noch 2010 − in dem Jahr vor dem Abkommen − waren es nur 113 Millionen Euro“, so Grusser. Derzeit würden etwa 110 Thüringer Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit dem asiatischen Staat unterhalten.
Trotz Vereinfachung der Zollmodalitäten sei aber vor allem für die kleinen und mittelständischen Unternehmen der Marktzugang relativ kompliziert. „Das Potenzial des Abkommens konnte angesichts zu hoher bürokratischer Hürden nicht voll ausgeschöpft werden“, so der IHK-Chef. Um Waren auf den koreanischen Markt zu bringen, wären umfangreiche Zulassungsverfahren wie die Beantragung einer speziellen Genehmigung als sogenannter ‚Ermächtigter Ausführer‘ erforderlich. Daher sei es bei Gesprächen zur Vertiefung des Handelsabkommens aus Sicht der Wirtschaft wichtig, solche nicht-tarifären Hemmnisse weiter abzubauen.
„Freihandelsabkommen müssen für die Betriebe ihre Anwendbarkeit in der Praxis beweisen. Gerade in Zeiten zunehmender Handelsbeschränkungen andernorts sollte die EU daher Chancen in den hoch dynamischen Märkten in Asien ergreifen“, ist Grusser überzeugt. Mit Japan – Thüringens zweitwichtigstem Handelspartner in Asien – stehe die EU kurz vor Abschluss eines umfassenden Freihandelsabkommens. Darüber hinaus seien die im März wieder aufgenommenen Gespräche der Europäischen Union mit dem Verband südostasiatischer Nationen (ASEAN) auch aus Sicht der Wirtschaft nur zu begrüßen.