14.02.2017

Boom am Bau

Die Thüringer Bauwirtschaft blickt so optimistisch wie lange nicht in die Zukunft. Immer mehr Betriebe wollen Mitarbeiter einstellen und investieren, so das Ergebnis der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Einzig der Fachkräftemangel wird zunehmend zum Geschäftsrisiko.
Günstige Finanzierungskonditionen, steigende Einkommen und eine wachsende Bevölkerungszahl in Ballungsräumen sorgen für einen Schub im Thüringer Wohnungsbau. „Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Nachfrage unvermindert hoch“, sagt Professor Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt. Drei von vier Betrieben lasteten die Kapazitäten zu mehr als 80 Prozent aus. Der Umsatz konnte gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent gesteigert werden. „Damit erreicht die Branche ihr bestes Ergebnis seit 15 Jahren und gehört wieder zu den Konjunkturlokomotiven in Thüringen“, so der IHK-Chef.
Und auch die künftige Entwicklung sehen die Betriebe im Baugewerbe fast schon euphorisch: Eine Verbesserung der Geschäftslage erwartet inzwischen jeder Dritte. Noch in der vorangegangenen Befragung waren es nur 7 Prozent.
Selbst im Tiefbau, der lange Zeit unter äußerst schwachen öffentlichen Investitionen leiden musste, wächst der Optimismus. Wegen des hohen Nachholbedarfs bei Investitionen in die Infrastruktur erhofft sich das Gewerbe nun neue Aufträge. Das Spektrum reicht dabei vom Straßen- bis zum Breitbandausbau. Jedoch kommen die kommunalen Planungen vielfach nicht schnell genug voran, da das entsprechende Personal fehlt.
Aber auch die Baubetriebe suchen inzwischen oft vergebens nach Fachkräften: Das Geschäftsrisiko „Fachkräftemangel“ erreicht im Bau mittlerweile einen Rekordwert und beschäftigt 70 Prozent der Unternehmen. Selbst jedes zweite Architektur- und Ingenieurbüro ist davon betroffen.
Wegen der wachsenden Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden, locken viele Bauunternehmen mit höheren Löhnen, sodass auch die Kunden mit steigenden Preisen rechnen müssen.